Gedankenschnipsel zur Kindheit

Dass man sich mit Anfang 30 Gedanken über die eigene Kindheit macht, kann vielerlei Gründe haben. Eigene Kinder etwa oder eine erste kleine Midlifecrisis können dafür sorgen, dass die eigene Kindheit noch einmal sprichwörtlich auf den Tisch gebracht wird. Bei mir war es der Umzug meiner Mutter in eine weitaus kleinere Wohnung. Damit verbunden war nicht nur der Transport von Gegenständen, mit denen Kindheitserinnerungen verbunden … Weiterlesen

Unterleuten | Juli Zeh

Bei einem Ausstellungsbesuch mit Freunden, kamen wir nebenher auf Bücher zu sprechen, die uns beschäftigten oder auch amüsierten. Irgendwann hieß es: „Du bist doch aus der Prignitz in Brandenburg und hast bestimmt schon Unterleuten von Juli Zeh gelesen.“ Das musste ich verneinen und daraufhin wurde mir das Buch so schmackhaft gemacht, dass ich nach dem Treffen in eine Buchhandlung gegangen bin, um mich selbst zu … Weiterlesen

Der Junge im gestreiften Pyjama | John Boyne

Bereits im Vorwort heißt es an einer Stelle: „Wer zu lesen beginnt, begibt sich auf eine Reise mit einem neunjährigen Jungen namens Bruno. (Und doch ist dieses Buch kein Buch für Neunjährige.)“ Für mich beschreibt dieser Satz sehr genau, was beim Lesen von Literatur über die Zeit des Nationalsozialismus nicht vergessen werden sollte, nämlich, dass eine Unterscheidung zwischen Jugendliteratur und Büchern für Erwachsene hier nicht … Weiterlesen

Das Geheimnis der Muse | Jessie Burton

Man kann mir meine Oberflächlichkeit vorhalten, aber ich muss zugeben, dass mich der Titel und das schöne Buchcover zum Kauf animiert haben. Ich war auf der Suche nach einer passenden Urlaubslektüre und mir stach „Das Geheimnis der Muse“ ins Auge. Inhalt: Das Buch spielt an zwei Schauplätzen und in zwei verschiedenen Epochen. Einerseits befinden wir uns in Spanien um das Jahr 1936, andererseits werden Ereignisse … Weiterlesen

Erste Liebe

Wir begegneten uns zum ersten Mal in einem kleinen, unscheinbaren Geschäft. Als die Tür aufging und du den Laden betratst, wirktest du auf mich etwas verloren, ja fast ein wenig hilflos, suchend und verzweifelt. Die Sonne schien an diesem Tag besonders hell. Ein Sonnenstrahl verirrte sich in den Laden und fiel von der geöffneten Tür direkt auf mich. Dein Blick traf mich und wir wussten … Weiterlesen

Sri Lanka | Kleine Perle im indischen Ozean

Ich möchte keinen vollständigen Reisebericht abgeben. Auch werde ich keine hilfreichen Packlisten erstellen und tiefergehenden Reisetipps geben. Ich bin keine Reisebloggerin und nützliche Hinweise zu sämtlichen Arten des Reisens (Städtereisen, Backpacking, Familienreisen, etc.) findest du bestimmt an vielen Stellen im Internet. Hier soll es um eine kleine Auswahl der inspirierenden Stationen der Reise gehen. Meine erste Asienreise liegt bereits fünf Jahre zurück. Damals war ich … Weiterlesen

Lehren des Ginkgos

Vor einigen Tagen spazierte ich an einem sonnigen Nachmittag mit einem guten Freund durch Berlin Kreuzberg. Wir hatten uns schon eine Zeit lang nicht mehr gesehen und hatten viel im Gespräch aufzuholen. Wir sprachen über viele Themen, über alles, was uns derzeit beschäftigte und darüber, was die Zukunft wohl so für uns bereithalten würde. Als wir an einer Straße mit Ginkgobäumen vorbeikamen, wurde mir schlagartig bewusst, dass dazu ein Text folgen muss.

Ist es so, dass wir in unserem täglichen Tun zeitweise der äußeren Schönheit mehr Gewichtung geben und dann häufig auf eine innere Schönheit oder besondere Qualität schließen? Man kann also den Vorwurf der Oberflächlichkeit, naiven und vorschnellen Überhöhung erheben. Ich bin davon nicht freizusprechen und ich treffe zeitweise Entscheidungen auch ganz oberflächlich. Schrecklich oder? Mich ehrt das natürlich in keiner Weise, aber vielleicht können mir diese Gedankenschnipsel zum Ginkgo dabei helfen, etwas (selbst-)kritischer zu werden.

Seit meiner Schulzeit bin ich fasziniert vom Ginkgo. Das mag daran liegen, dass ich mich auch heute noch an eine ganz bestimmte Stunde des Biologieunterrichts erinnere, in welcher Laub- und Nadelbäume thematisiert wurden. Als ein gepresstes Blatt eines Ginkgos rumgereicht wurde und wir die Form und Struktur der Blattadern genauer beschreiben sollten, waren all meine Mitschüler herausgefordert und ich sogar überfordert. Diese Blätter hatten nämlich Merkmale von Laub- sowie Nadelbäumen. Ein schelmisches Lächeln erschien auf den Lippen unserer Biologielehrerin und sie gab die erlösende Antwort. Ginkgo sei weder Laub- noch Nadelbaum, sondern stelle eine ganz eigene Klasse dar. Zudem sei der Ginkgo ein lebendes Fossil und somit eine unglaublich alte Pflanzengattung. Von diesem Weder-Noch bei der Zuordnung war ich ganz angetan. Auch die Blattform des Ginkgos war für mich einzigartig und schlichtweg schön. Nicht umsonst wird er auch aufgrund seiner Fächerform öfter Mädchenhaarbaum genannt.

Jedes Mal, wenn ich in den Jahren nach meiner Schulzeit einen Ginkgobaum sah, stimmte mich das fröhlich und ich behauptete nicht selten, dass dies mein absoluter Lieblingsbaum sei. Bis zu jenem Herbstspaziergang durch Berlin Kreuzberg. Die Freude über den Anblick der vielen wunderschönen Ginkgobäume verflog binnen Sekunden, denn die gesamte Straße war von einem fürchterlichen Gestank erfüllt. Buttersäure! Für mich war das eine ganz neue Seite dieser Bäume. Bei Ginkgos – so las ich danach – gibt es nämlich weibliche und männliche Bäume, wobei weibliche Ginkgos nach einigen Jahren im Herbst Samen ausbilden. Und diese Samen sind während ihrer Reifezeit, da würden mir bestimmt viele Menschen zustimmen, eher eine Beleidigung die Nasen. Ich hatte wohl in all den vorherigen Jahren immer sehr großes Glück bei meinen Begegnungen mit Ginkgos. Entweder waren die weiblichen Bäume noch zu jung oder ich hatte ausschließlich männliche Exemplare gesehen.

Aus diesem Spaziergang konnte ich für mich schließlich kleine Lehren ziehen. Erstens: nichts bzw. niemand ist vollkommen! Diese Ansicht kommt mir sehr gelegen und hilft mir dabei, meinen Perfektionismus über Bord zu werfen, sowie anderen und mir gegenüber etwas gelassener zu werden. Auch der von mir hochverehrte und viel gelobte mystische Ginkgo ist nicht ohne ein Aber zu denken, denn er hat – aus meiner ganz persönlichen Perspektive – ein kleines Manko. Damit kommen wir zur zweiten Lehre: Vollkommenheit liegt sowieso im Auge des Betrachtenden. Einen Aasfresser würde der „Duft“ der Ginkgobäume womöglich in Hochstimmung versetzen. Dinge, die ich kritisieren würde, die mir schlichtweg gegen den Strich gehen, sind in den Augen andere Menschen perfekt bzw. sie nehmen weniger Anstoß daran. Die dritte kleine Lehre des Ginkgos zielt auf die Zeit. Es bedarf bei der Beurteilung von Menschen und auch Dingen immer auch etwas Zeit. Diese Zeit sollte ich mir auch nehmen und nicht zu voreilig urteilen. Schließlich kann ich auch nach einem Zeitraum noch überrascht werden, sowohl in positiver als auch negativer Art und Weise. Beim Ginkgo beläuft sich eine solche Zeitspanne auf bis zu 15 Jahren, wenn die weiblichen Bäume erstmalig Samen ausbilden (*schmunzel*)

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Eine gewisse Konstanz

Sie wurde kurz vor Sonnenaufgang wach und ihr Rücken schmerzte, als hätte sie tagelang und ohne Unterlass in einem Steinbruch geschuftet. Nicht, dass sie eine wirkliche Vorstellung von der Arbeit in einem Steinbruch hatte, aber sie vermutet jene intensiven Schmerzen dahinter. Von draußen drang das sanfte Rauschen des Windes, der sich in der alten Trauerweide verfing, zu ihr.

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